Ohne Mehrheit ins Weiße Haus?

Noch zwei Wochen bis zur Wahl: In den landesweiten Umfragen liegt Romney vorne. Obama bliebe aber nach jetzigem Stand Präsident, da er mehr Wahlmänner gewinnen würde. Und: Wieso nun gerade Obama ein Problem mit den Frauen kriegt.


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Mit Vergleichen ist das ja immer so eine Sache. Wenn sie passen, wunderbar. Wenn nicht, kann das passieren, was man in der letzten Debatte zwischen Amtsinhaber Barack Obama und Herausforderer Mitt Romney gesehen hat: Romney verglich die Zahl der US-Schiffe heute mit denen von 1917. Obama meinte, dass man heute auch weniger Pferde und Bajonette hätte.

Das war sicherlich der Moment, der von dieser Debatte hängen bleiben wird. Bei Twitter war es die am meisten diskutierte Szene. Und nicht verwunderlich: Im Netz gab es wie immer viel Hohn und Spott, wie diese Beispiele bei Buzz Feed hier zeigen.

Take Aways der Woche

Erstens: Die Blitzumfragen und Einschätzungen von Experten haben gezeigt, dass Obama das dritte TV-Duell gewonnen hat. Aber: Die Außenpolitik ist allerdings nicht das bestimmende Thema dieser Wahl. Und daher dürfte die Debatte keinen großen Einfluss auf den Wahlausgang haben.

Und für Romney ging es eh nur darum, glimpflich durch die Debatte zu kommen, nicht zu patzen und so sein Momentum der letzten zwei, drei Wochen nicht auzubremsen. Und das ist ihm geglückt.

Zweitens: Romneysie oder englisch Romneysia. Diese Wortschöpfung stammt von Obama und spielt auf Romneys Flip-Flopper Image an. Für uns erneut ein gutes Beispiel für das hohe Maß an Negativität und persönlichen Verunglimpfungen im Wahlkampf.

Drittens: Würde es nach den Frauen gehen, würde Obama die Wahl gewinnen. Und ginge es nur nach den Männern, läge Romney vorne. In den letzten Wochen hat Obama aber einige Prozentpunkte bei den Frauen verloren, weshalb Romney ihn nun gefährlich nah kommt. Die Gründe für die Revange der Soccer Moms hat Molly Ball für „The Atlantic“ aufgeschrieben.

Thema der Woche

Drei Debatten sind jetzt vorbei – und die erste war wohl die entscheidende. Seit der überraschend starken Leistung von Romney liegt der in den Umfragen Kopf-an-Kopf mit Präsident Obama. Laut RealClearPolitics liegt Romney im Durchschnitt der Umfragen sogar knapp vor Obama. Trotzdem wäre die nächste Präsident wieder Obama. Er hat mit Blick auf das Eletoral College, des Wahlsystems über Wahlmänner, nach wie vor die besten Chancen sein Amt zu verteidigen. Da werden Erinnerungen an Bush vs. Gore wach.

Laut einer Gallup-Umfrage sind über 60 Prozent der Amerikaner für eine Reform des Wahlrechts und die Einführung des US-weiten Mehrheitswahl. Mit Blick auf das mögliche Ergebnis in zwei Wochen ist es fast schon ironisch, dass es vor allem die Unterstützer der Demokraten sind, die eine Mehrheitswahl haben wollen.

Nicht ganz so toll fänden das besonders die kleinen Swing States: New Hampshire, Nevada oder Iowa. Die bekommen trotz ihrer Größe sehr viel Beachtung. Die wäre natürlich futsch, wenn auf einmal Kalifornien und Co. ins Spiel käme.

Welche Rolle die einzelnen Staaten spielen und warum Obama den vermeintlichen einfachen Weg zurück ins Weiße Haus ist, kann man für Mitt Romney und Barack Obama selbst ausprobieren.

Und wer sich die verschiedenen Szenarien rund um die Battleground States lieber vortragen lassen möchte, dem empfehlen wir ein Video von der Washington Post, das ihr über diesen Link erreichen könnt.

Empfehlung der Woche

Unsere Empfehlung für heute ist ein echtes Schmankerl: PBS hat einen fast zweistündigen Dokumentarfilm über die beiden Präsidentschaftskandidaten herausgebracht (hier der Trailer). Einfach pbs.com besuchen und kostenlos anschauen.

Einer muss noch sein …

Dass man sich politisch hart auseinandersetzen, aber trotzdem befreundet sein kann, machen uns Sean Penn (Demokrat) und Kid Rock (Republikaner) vor.

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