Mitt Romney demontiert sich selbst

Pünktlich zur heißen Wahlkampfphase ist Politsnack wieder da. Topthema dieser Folge: Wie Romney zum Wahlkämpfer für Obama wird und wieso amerikanische Brauereien die Wahl entscheiden könnten.

Alle Links zur Politsnack-Folge 30 und weitere Informationen gibt es hier.

Aufreger der Woche

Man könnte meinen, dass Mitt Romney kein Fettnäpfchen auslässt. Jetzt hat man ihn auch noch mit der „versteckten Kamera“ erwischt. In Ton und Bild ist ein Romney zu sehen, der anscheinend 47 Prozent der US-Wähler zumindest politisch abschreibt: 47 Prozent der Amerikaner fühlten sich als Opfer und wären von der Regierung abhängig. Diese 47 Prozent würden – egal was – Obama wählen. Und diese 47 Prozent will Romney auch gar nicht von sich überzeugen. Das sagte er hinter verschlossenen Türen bei einer Spendengala. Die Türen waren zwar zu. Aber ein Smartphone war an.

Die Washington Post spricht von Romneys schwärzester Stunde und Politico erklärt Obama sieben Wochen vor der Wahl zum Sieger. Das Ganze erinnert irgendwie an George Allens „Macaca-Moment“.

Take-Aways der Woche

Erstens: Obama baut seinen Vorsprung wieder aus und liegt in Umfragen mit 49% zu 46% vor Romney. Nach einer Umfrage von Politico liegt er in allen Swing States bis auf North Carolina vor Romney.

Zweitens: Romneys Versuch, jüngst aus den Anschlägen gegen US-Botschaften Kapital zu schlagen, ist wie ein Bumerang zurückgekommen. Wie eine Umfrage der Washington Post zeigt, bewerten die US-Wähler Romneys Kommentare nach dem Anschlag eher negativ.

Drittens: Obamas gute Position könnte aber auch daran liegen, dass wir uns immer noch im „Conventional Bounce“ befinden, das heißt, dass der Parteitag der Demokraten immer noch nachwirkt, wie diese Grafik der New York Times schön veranschaulicht.

Thema der Woche

Nicht „99 Prozent“ bringen Romney jetzt in Bedrängnis, sondern 47 – die 47 Prozent der Wähler, die ihm egal seien. Und was sagen die dazu? Die Obama-Kampagne hat mal schnell nachgefragt. Obama selbst war auch sehr schnell. Und ging gleich mal zu Letterman in die Late Show.

Und dann auch noch das: Eigentlich wollte Romney mit dem Thema Wirtschaft und seinem „Romney Plan“ Boden gegenüber Obama gut machen. Aber jetzt kommt es ganz dicke: Laut einer aktuellen Umfrage hat Romney seinen Vorsprung bei der Wirtschaftskompetenz verloren. Die Bürger fangen wieder an, Obama zu vertrauen. Und das ist mehr als schlecht für Romney. Da kann man sich schon fragen: Was läuft eigentlich schief im Romney-Lager?

Stuart Stevens, das ist Romneys Chefstratege, wird vorgeworfen, dass er es einfach nicht schafft, Romney nach außen präsidial darzustellen. Und viele republikanische Parteifunktionäre sind frustriert, dass Romney aus der Wirtschaftskrise nicht mehr Kapital schlagen kann.

Für uns bleibt es jedenfalls spannend: Ein Präsident, der aufgrund der wirtschaftlichen Lage eigentlich Riesenprobleme haben müsste, liegt knapp vor einem Gegner, der einen Bock nach dem anderen schießt.

Unsere Empfehlung der Woche

Den Demokraten empfehlen wir auf jeden Fall die Kunst des Bierbrauens. Ein Joe Sixpack hat nämlich einen neuen Prognosetrend für die Wahl im November entdeckt: 2008 haben die 25 Staaten mit der höchsten Brauereidichte alle demokratisch gewählt. Da passt es ja, dass es die republikanischen Wähler am liebsten Bier trinken.

Einer muss noch sein …

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