Meinungsmache statt Analyse – Der Spiegel über den US-Wahlkampf

„Schade. Obamas missglückte Präsidentschaft“ titelt der Spiegel diese Woche und bedient vor allen Dingen Klischees über die USA. Außerdem: Rick Santorum meldet Ansprüche für die Wahl 2016 an, die Republikaner erleiden Schiffbruch im Netz und das Obama-Girl versagt dem Präsidenten die Gefolgschaft.

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Aufreger der Woche

Das Obama Girl will nicht mehr so richtig. 2008 war Amber Lee Ettinger mit ihrem Song und dazugehörigen Video noch eine der wichtigsten Unterstützer von Barack Obama. 2012 ist ihre Begeisterung für Obama nicht mehr ganz so groß. Wie die USA Today berichtet, plant sie 2012 kein neues Video und möchte auch nicht sagen, ob sie Obama (wieder)wählt. Heute hat sich das berühmte Obama Girl, Amber Lee Ettinger, von Obama entliebt.

Take Aways der Woche

Erstens: Rick Santorum hat ein neues Political Action Committee gegründet. „Patriot Voices“ soll konservative Werte vorantreiben und Wähler mobilisieren. Hier die Videoansprache von Santorum. Sicherlich dient das PAC nicht nur dem Stärken konservativer Werte. Vielmehr dürfte es ein Weg sein, sich auch zukünftig noch mal als Präsidentschaftskandidat zu zeigen.

Zweitens: Barack Obama hat sich mit einem groben Lapsus selbst ins Kreuzfeuer der Republikaner gebracht. Auf einer Pressekonferenz meinte er, dass es dem privaten Sektor gut gehen würde. Das ist natürlich eine Steilvorlage für Romney und Co. Nur wenige Stunden nach dem „Versprecher“ konnte man schon die ersten Angriffsvideos gegen Obama im Netz sehen. Das nennen wir mal rapid response!

Drittens: „Obamacare“ bleibt ein heißes Thema. Zwei Drittel der Amerikaner lehnen Obamas Gesundheitsreform ganz oder zumindest teilweise ab – das ergab eine aktuelle Umfrage der New York Times und CBS. Ende Juni wird der Supreme Court über die Reform entscheiden. Wird das Gesetz durch die Richter gekippt, bedeutet das noch mehr Ärger für Obama.

Viertens: „Die Geister, die ich rief …“, haben sich sicherlich jüngst die Republikaner gedacht. Sie hatten zu einer Online-Petition gegen Obamas Gesundheitsreform aufgerufen. Innovativ: Den Ausdruck der fertigen Petitionen konnte man im Internet live per Stream verfolgen – die Aktion wurde zwar ein Hype, allerdings anders als geplant: jetzt gehen Screenshots von Unterschriften wie die von Boner Junkmonkey, Barf Vomit und HelpI’mstuckinthisPrinter durchs Netz

Thema der Woche

„Schade – Obamas missglückte Präsidentschaft“ – so lautet der Spiegel-Titel in dieser Woche. Schade lautet auch unser Urteil – allerdings zum Artikel. Richtig, aber etwas am Titel vorbei beschreiben die Autoren über viele Seiten, wie tief die politischen Gräben in Amerika mittlerweile sind. Und sie fragen, was für einen Präsidenten es in dieser Situation braucht. Wer die Geschichte liest, stößt immer wieder auf zwei Argumentationslinien. Die eine geht so – Zitat Spiegel: „Heißt der aktuelle Präsident wirklich Barack Obama? Ist die Ära des George W. Bush wirklich vorbei?“. Das Siegel-Urteil: Obama ist 2008 als Messias gestartet, innenpolitisch aber mittlerweile eine lahme Ente. Und außenpolitisch ist er so schlimm wie sein Vorgänger, siehe Drohnenkriege usw. Und zu den Republikanern heißt es – Zitat: „Wäre aber ihr Kandidat, Mitt Romney, der rätselhafte, steinreiche Mormone, der bessere Präsident? Ganz sicher nicht.“

Kein einziges Wort zu den Wahlprogrammen von Obama und Romney, stattdessen Meinungsmache und Klischees. Kurz und knapp: Auf der einen Seite der „Versager“. Und auf der anderen Seite der „rechte Idiot“. Das Nachrichtenmagazin positioniert sich enttäuscht hinter dem Versager.

Analytischer und mit Zahlen und Fakten argumentiert dagegen Tagesspiegel-Korrespondent Christiph von Marschall, den wir im Januar für Politsnack interviewt hatten.

Ein weiteres Positiv-Beispiel der Berichterstattung über den US-Wahlkampf war die ARD-Sendung „Obamas Gegner“ zum Super-Tuesday im Februar.

Viel Spaß macht auch die deutschsprachige Blogosphäre zum US-Wahlkampf. Auch wenn die längeren Analysen noch fehlen, ergibt sich hier ein buntes, differenziertes Bild – oft mit Originalquellen, originellen Funden und findigen Kommentaren. Unsere Top 3 der Blogroll: Amerika wählt, die Österreichischen Kollegen von usa2012 und die Campaignwatchers.

Empfehlung der Woche

40 Jahre Watergate, das heißt auch 40 Jahre „Gate“-Skandale. Immer wenn es einen neuen Skandal gibt, wird irgendein Wort einfach mit dem Wort „gate“ kombiniert. Die Washington Post hat das mal in einer Bildergalerie zusammengestellt: Von Monicagate, über Camillagate bis hin zu Troopergate.

Aber einer muss noch sein …

Endlich! Auch 2012 hat seinen Dale Peterson – einen echten „Straight Shooter“ (Ron Gould aus Arizona und Kandidat für den Kongress). Und das ist keine Satire!

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