Kampagnenschreck Sandy

Im entscheidenden Sprint zum Wahltag erschwert der Wirbelsturm Sandy Präsident Obama und Mitt Romney die Wählermobilisierung. Außerdem: die Umfragen zeigen, es wird richtig knapp am Dienstag. Und: Michelle Obama hat ungewöhnliche Methoden, die Bürger zum Wählen zu bewegen.

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Alle Links zur Politsnack-Folge 36 und weitere Informationen gibt es hier.

Aufreger der Woche

Die Berichte von der US-Ostküste sind dramatisch und ganz nebenbei hat Wirbelsturm Sandy den Wahlkampf gehörig durcheinander gebracht. Die Faustregel sagt, der Amtsinhaber ist jetzt im Vorteil, er kann sich als Krisenmanager und Commander in Chief inszenieren, der alles im Griff hat. Dennoch: George W. Bush hatte im Jahr 2005 mit Katrina ein Albtraum erlebt, weil die Hilfe viel zu spät zu den Betroffenen kam. Obama muss also Acht geben.

Aber auch Romney muss aufpassen. Er hatte einst dafür geworben, die FEMA, also die Katastrophenschutzhilfe der USA in seiner bisherigen Form abzuschaffen. Das könnte sich in der jetzigen Situation noch rächen.

Take Aways der Woche

Erstens: Landesweit liegt weiter Romney vorn. In den Swing States – darunter Ohio, Florida und Colorda – ist manchmal Romney vorn, manchmal Obama. Es wird also ganz knapp, Und „dank“ Sandy könnten die Umfragen in den letzten Tagen an Qualität und Aussagekraft verlieren. Wenn Millionen Haushalte und Büros ohne Strom und Telefon sind, lassen sich Befragungen nur schwer durchführen. Gallup hat seine Umfragen sogar zwischenzeitlich ausgesetzt.

Zweitens: Hillary Clinton überlegt nun doch, im Amt zu bleiben. Bislang schloss sie immer strikt aus, für eine zweite Amtszeit Obamas zu Verfügung zu stehen. Wir verstehen das als Signal an unentschiedene Frauen, ihre Stimme Obama zu geben.

Drittens: Geht es nach New York Times und Washington Post, soll Barack Obama im Amt bleiben. Beide Zeitungen haben in prominent platzierten Leitartikeln zur Wahl Obamas aufgerufen. Aber auch Romney weiß eine Reihe von Medien hinter sich, darunter auch den Des Moines Register aus Iowa. Der Register hat seit 1972 keinen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner unterstützt. Alle Zeitungs-Endorsements hat die New York Times übersichtlich zusammengestellt – samt den Links.

Thema der Woche – Schlussmobilisierung / Get out the vote

Es sind noch wenige Tage bis zur Wahl und alles, was jetzt zählt, ist das Zauberwort „GOTV“. Dabei handelt es sich nicht um eine neue mobile Fernseh-App. GOTV bedeutet „Get out the Vote“, also alles daran setzen, dass die eigenen Unterstützer auch tatsächlich wählen gehen. Die Obama-Kampagne zeigt uns in einem neuen Spot, wie das funktioniert.

Eine Woche vor der Wahl fahren Mitt Romney und Präsident Obama also eine ausgeklügelte Taktik, und setzen auf die so genannten „Ground Wars“, um möglichst viele Bürger zum Wählen zu bewegen. Das Problem ist nur, dass Hurrikan Sandy die letzte Phase des Wahlkampfs empfindlich unterbricht. So mussten beide Kandidaten wegen des Unwetters bereits Auftritte absagen und Wahlkampfbüros vorübergehend schließen.

Außerdem ist vieler Orts die Stimmabgabe vorm Wahltag nicht mehr möglich. Das könnte die Wahlbeteiligung gerade in den betroffenen pro-Obama Staaten, wie New Jersey und Pennsylvania, negativ beeinflussen. Zwar gilt Obamas „Ground Game“ als überragend. Aber auch er muss jetzt schauen, wie er Wähler an die Urne bringt. Momentan haben beide Kampagnen erst einmal einen Gang rausgenommen und zeigen sich ungewohnt unpolitisch. Obama sammelt Spenden für das Rote Kreuz, setzt den Wahlkampf aus und inszeniert sich als verantwortungsbewusster Beschützer, dem das Wohl seiner Schützlinge über alles geht. Er muss jetzt Führungsstärke beweisen und, dass er mit der Situation gut umgehen kann. Das scheint ihm ganz gut zu gelingen. Selbst vom republikanischen Gouverneur New Jerseys Chris Christie erntet er viel Lob für seine Handhabung der Krise.

Einer muss noch sein …

Michelle Obama und Jimmy Kimmel wollen sicher gehen, dass am 6. November möglichst viele Leute wählen und greifen dafür im Zweifel auch zu ungewöhnlichen Methoden. Das Video gibt es hier.

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