Der US-Wahlkampf 2012 im Rückblick: Tops und Flops

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Zum Ende der ersten Staffel von Politsnack: Obama hat gewonnen, also alles richtig gemacht. Romney verloren und folglich alles falsch. So einfach ist es aber nicht. Daher widmen wir uns den Top und Flops der beiden Präsidentschaftskampagnen und blicken auf die Highlights eines langen Wahljahrs zurück.

Aufreger der Woche

Mit dieser kurzen Rede dankte President-re-elect Obama nach der Wahl seinen Helfern. Für uns ein emotionaler Höhepunkt dieser Wahl und damit der Aufreger der Woche.

Tops und Flops 2012

Obama hat gewonnen. Und deswegen alles richtig gemacht. Romney verloren und alles falsch. Für uns etwas zu einfach. Deswegen hier die besten und schlechtesten Entscheidungen der beiden Kampagnen.

Top Obama:

Erstens: Obama hat während seiner Amtszeit die 2008 geschmiedete „winning coalition“ gestählt. So gab’s Politik und Symbolik für Schlüsselwählergruppen – darunter Frauen, Afro-Amerikaner, Latinos und Junge Wähler. Und Ohio. Wie er das geschafft hat, zeigt dieses Video der Obama-Kampagne.

Zweitens: Das Obama-Team hat seine Kampagne wieder einmal auch meisterhaft in Szene gesetzt. Die Graswurzelbewegung wurde nicht nur weiter ausgebaut, sondern daraus gleichzeitig einen Mythos geschaffen. Ja, und damit hat man eine Erzählung und bekommt gute Presse.

Drittens: Der Kuschelkurs mit den Clintons. Bill war eine der wichtigsten Waffen im Kampagnenarsenal Obamas. Und das nicht nur auf dem Parteitag der Demokraten. Während der Präsident in der heißen Wahlkampfphase sprichwörtlich auf den Dämmen von New Jersey stehen musste, machte der Ex-Präsident innerhalb von vier Tagen 13 Veranstaltungen in sieben Staaten für Obama. Und Hilary? Die hat sich in der Bengasi-Angelegenheit schützend vor den Präsidenten geworfen.

Flops Obama:

Erstens: Einer der größten Wahlkampffehler Obamas war wohl, Romney in der ersten TV-Debatte zu unterschätzen. Der Präsident hatte einen dementsprechend schwachen Auftritt.

Zweitens: Negative Campaigning und Pietätlosigkeit liegen manchmal eng beieinander. Wir erinnern uns an die Geschichte von Joe Soptics Frau, für dessen Tod ein Obama-nahes SuperPAC Romney verantwortlich machte. Das Obama-Team behauptete, nichts davon gewusst zu haben – und wurde kalt beim Lügen erwischt.

Drittens: Auch im Bengasi-Fall ließ die Obama-Kampagne an ihrer Aufrichtigkeit zweifeln. Anstatt zuzugeben, dass der Anschlag auf die US-Botschaft kein spontaner Mob, sondern ein geplanter Terrorakt war, kochte das Obama-Team den Vorfall herunter – Das hätte auch gefährlicher werden können.

Flops Romney

Erstens: Romney hat sich zu lange von Obama definieren lasen. Der hat ihn als kalten Finanzmanager geframed, der für Jobabbau und soziale Kälte steht – Stichwort Bain Capital.

Viel zu spät konnte sich Romney aus dieser Situation befreien. Erst mit der ersten TV-Debatte gelang der Befreiungsschlag – da hatten sich Millionen Bürger aber schon eine Meinung über den Herausforderer gebildet.

Zweitens: Romney hat zu lange auf Referendum statt „Choice“ gesetzt. Was das heißt? Romney wollte eine Abrechnung mit Obama. Der aber hat die Wahl zur Richtungsentscheidung erklärt, wie in diesem Film hier. Tja, dafür hätte man sich auch selbst positiv definieren müssen (siehe Erstens).

Drittens: Romneys Krisenmanagement war katastrophal. Mal war er wegen seiner Steuererklärungen ein Getriebener, dann wegen den „47 Prozent“ der Amerikaner, die er als Opfer bezeichnete. Nachdem das Video rauskam, relativierte Romney zunächst. Zwei Wochen später dann – als das Thema schon gar nicht mehr aktuell war – entschuldigte sich Romney für seine Äußerungen. Eine stringente Kommunikationsstrategie sieht anders aus.

Tops Romney

Erstens: Der Schritt in die Mitte während der ersten TV-Debatte. Spätestens hier schaltete Romney von Referendum zu Choice, zeigte sich als präsidial und viele Amerikaner erstmals als wählbar.

Zweitens: Trotz schwerer Angriffe von rechts hat Romney die Vorwahlen zu Beginn des Jahres souverän gewonnen. Ob Herman Cain, Newt Gingrich, Michelle Bachman, Ron Paul oder Rick Santorum – am Ende hat er sie alle besiegt. Auch wenn da manch skurriler Charakter dabei war – das muss man erstmal schaffen.

Drittens: Romneys Entscheidung für Paul Ryan als Vize-Kandidat war mutig. Obwohl Ryan die letzten Wochen deutlich in die zweite Reihe gerückt war – der Haushaltsexperte aus Wisconsin hat die eigene Basis begeistert und Romneys Wirtschaftswahlkampf kräftig Rückenwind gegeben.

Einer muss noch sein …

Wir haben diese Folge mit Tränen begonnen und wollen damit auch schließen. Das kleine Mädchen hat einfach genug vom Wahlkampf

Ja, jetzt hat Abby es ja geschafft. Wir hoffen die Tränen sind mittlerweile getrocknet.

Das war die erste Staffel von Politsnack. Seit Dezember hatten wir den US-Wahlkampf begleitet. Uns hat es große Freude gemacht. Wir danken euch, die unsere Sendung angeschaut haben und uns treu geblieben sind. Es wird sicherlich mit vielen interessanten Wahlen weltweit weitergehen.

Euch alles Gute, tschüss!

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