Das gefährliche Spiel mit den verfälschten Zitaten des Gegners

Wieso Homer Simpson unter Mitt Romneys Steuererklärung leiden muss, wie Obama und Romney sich verfälschte Zitate um die Ohren hauen und wie der Präsident zu MC Hammer wird.

Alle Links zur Politsnack-Folge 31 und weitere Informationen gibt es hier.

Aufreger der Woche

Homer Simpson geht mal wieder wählen. Und entscheidet sich für Mitt Romney mit unerwarteten Konsequenzen. Aber kein Grund zur Sorge: Seit letztem Freitag muss niemand mehr beseitigt werden. Romney hat nach Monaten öffentlicher Debatte seine Steuererklärung veröffentlicht. Das Ergebnis: 2011 zahlte er auf knapp 14 Millionen Dollar Einkommen durchschnittlich 14.1% Steuern. Ob er damit das Thema abräumt? Unwahrscheinlich: Der Clou ist, dass Romney eigentlich noch wenigerSteuern hätte zahlen müssen – wenn er nicht die Bilanz zu seinen Ungunsten ein bisschen frisiert hätte. Romneys lang ersehnte Steuererklärung – unser Aufreger der Woche.

Take Aways der Woche:

Erstens: „We are beeing outspent!“ hörte man in den letzten Monaten immer wieder aus der Obama-Kampagne. Die riesigen Summen konservativer SuperPACs galten als Beleg dafür. Im August haben demokratische SuperPACs nun zum ersten Mal mehr Geld eingenommen, als republikanische. Diese Grafik zeigt ganz schön, wie sich die Spendeneinnahmen der beiden Camps monatsweise entwickelt haben. Auch Obama selbst hatte einen guten August und nahm deutlich mehr ein, als im Vormonat – einen großen Teil davon immer noch aus Kleinstspenden.

Zweitens: Hope und vor allem Change, das hatte Obama ja 2008 versprochen. Und jetzt das: Die einzige Möglichkeit, Washington zu verändern, sei durch den Druck der Bevölkerung, so Obama. Für ihn sicherlich der Versuch die Basis zu reaktivieren. Das Romney-Team interpretiert diese „Kapitulation“ als Schwäche Obamas. Er sei jetzt selbst Insider und zu dicht an den Lobbyisten.

Drittens: Es sieht weiter nicht gut aus für Romney in den Swing States. Aber: It ain’t over until the fat lady sings. In diesem Fall: Karl Rove. Der Top-Stratege der Republikaner rechnet vor, dass Obama in der letzten Woche in sicheren Staaten schwächelt. Aber auch Roves Analyse ändert nichts daran, dass Obama momentan die Nase vorn hat. Ein wenig Trost für Romney: Der September gilt auch als potentieller “Schwächelmonat”. Auch George W. Bush 2000 und Obama 2008 hatten zu dieser Zeit große Probleme, wie Dan Balz von der Washington Post zeigt.

Thema der Woche

Noch sechs Wochen bis zur Wahl, aber eines kann man jetzt schon sagen: In beiden Lagern wird zu den schmutzigsten Methoden gegriffen, die es so gibt – Stichwort negative campaigning. Die Washington Post analysiert ja regelmäßig die ausgestrahlten Werbespots. Demnach wurden im bisherigen Präsidentschaftswahlkampf knapp 500 Millionen US-Dollar für Spots ausgegeben. 79 % aller Ads sind negativ, 21 % haben eine positive Message.

Eine beliebte Waffe in diesem Wahlkampf ist die „Entkontextualisierung“. Kompliziertes Wort, aber der Mechanismus dahinter ist ganz einfach: Man nehme ein paar kritische Zitate seines Gegner, schneide diese zusammen und lässt seinen Kontrahenten damit Dinge sagen, die er so eigentlich nie formuliert hat. Hier ein Beispiel der Romney-Kampagne zu Obama.

„Ich glaube an die Umverteilung“, sagt Barack in diesem Spot – allerdings stammt diese Aussage bereits aus dem Jahr 1998. Das mischten die Republikaner mit aktuellen Aussagen des Präsidenten zusammen. Und warum? Weil der Spot so unterstreicht, Obama sei wirtschaftspolitisch unfähig. Umverteilung ist in den USA heute schließlich eine Art Tabu-Wort.

Böse Republikaner, gute Demokraten? So einfach geht die Rechnung aber auch nicht. Im August schaltete das Obama-nahe Super PAC Priorities USA dieses Video und löste kurzzeitig eine Debatte um ethisches Verhalten im Wahlkampf aus: Romney hat Joe Soptics Frau getötet. Für diese Horrormeldung reichte ein Spot. Später kam allerdings heraus, dass Soptics Frau Jahre nach der Entlassung ihres Mannes erkrankte und starb. Und selbst krankenversichert war.

Harter Tobak. Weit über die Grenze des guten Geschmacks geht auch diese Geschichte, die dem Fass wirklich den Boden ausschlägt. In einem Film unterstellt ein eher unbekannter Regisseur, Obamas richtiger Vater sei der Kommunist Frank Marshall Davis. Und Obamas Mutter hätte einst Nacktfotos von sich machen lassen, als sie schwanger war.

Empfehlung der Woche

Ein Video, das einem in unter einer Minute erklärt, welchen Kandidaten US-Promis … und Katzenbabys … unterstützen.

Aber einer muss noch sein…

Wir lieben Mash-ups! Einfach reinschauen.

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